Archiv für den Monat: März 2016

Workshop-Fazit: Offene und datengetriebene Innovationen für Bildungsmedienanbieter

In den vergangenen Jahren wurden zunehmend Veränderungen an Schulen und Hochschulen durch digitale Bildungsmaterialien thematisiert. Die Potenziale von Offenheit und großen Datenmengen für Innovationen der Bildungsmedienanbieter wurden dabei bisher nur beschränkt wahrgenommen. Eben diese Potenziale wurden im vom IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, dem DIPF – Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung und dem Know Center Graz organisierten Workshop auf der Didacta 2016 in Köln thematisiert. Der einführende Vortrag von Frau Ass.-Prof. Dr. Elisabeth Lex (Know Center) trug daher den Titel „Data driven Business: Der Nutzen von (offenen) Daten für den Bildungsbereich“ (Folien werden nachgereicht) und widmete sich u.a. folgenden Fragestellungen:

  • Welchen Nutzen haben Daten für Content Provider haben und wie können diese von der Idee eines Data driven Business profitieren?
  • Welche datenzentrischen Services benötigen Lernende und Lehrende?
  • Welche Daten entstehen beim Lernen und wie können diese wieder in den Prozess einfliessen?

Frau Lex führte zuerst in den Bereich Big Data ein, stellte den Flea Market for Open Data aus dem Projekt CODE vor und schlug dann den Bogen über die OER Commons hin zur Wertschöpfungskette im Bereich Data driven Business und welchen Benefit diese Entwicklung für Lehrende, Lernende und Bildungsmedienanbeiter haben kann.

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Der zweite Vortrag von Ingo Blees (DIPF/Deutscher Bildungsserver) stellte die Machbarkeitsstudie des Deutschen Bildungsservers zu OER-Infrastrukturen vor und trug daher passend den Titel: „Open Educational Resources – Infrastrukturen: Potentiale, Herausforderungen, Perspektiven“ (Folien). Der Vortrag beschäftigte sich vor allem mit folgenden Punkten:

  • Begriff und Potenziale von OER
  • Die Machbarkeitsstudie zu OER-Infrastrukturen: Auftrag, Methodisches Vorgehen, Empfehlungen
  • Perspektive Metadaten-Austausch-Service MDAS

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Im Anschluss an die beiden Vorträge gab es durch ein Worldcafé die Möglichkeit, die aufgestellten Thesen direkt mit den Vortragenden zu diskutieren. An drei Tischen (einer zum Vortrag von und mit Frau Lex, einer zum Vortrag von und mit Herrn Blees und ein freier Diskussions-Tisch mit mir) wurden teilweise sehr hitzig einzelne Aspekte diskutiert und auf Probleme, Grenzen aber auch Möglichkeiten hingewiesen. Die Ergebnisse finden sich in der Bildergalerie und ich möchte an dieser Stelle nur auf einzelne Themen eingehen, die an allen drei Tischen angesprochen wurden.

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1. Qualität

Die Frage nach der Qualität und der Qualitätsgarantie der OER-Materialien ist eine zentrale und wurde anscheinend auch auf dem OERCamp in Berlin diskutiert (siehe Bericht). Dank des Internets besteht die Möglichkeit auch mehrere Qualitätsebenen/-kriterien zu verwenden und diese dem Nutzer anzubieten, der dann je nach Anwendungszusammenhang auswählen kann: Redaktionelle Prüfung, Community-Bewertung (bspw. durch Sterne) oder auch Nutzungsdaten (Häufigkeit des Aufrufs/Downloads etc.). Damit kann die Qualitätsdiskussion zu OER etwas strukturiert werden bzw. die Möglichkeiten der Mehrschichtigkeit der Digitalität ausgeschöpft werden. An meinem Tisch kam die Idee einer Zertifizierungsstelle für OER auf und eine Art Qualitätssigel für „verwendbare“ Materialien. Die TeilnehmerInnen des OERCamp empfanden anscheinend Bibliotheken als dafür geeignet. Die DiskussionspartnerInnen bei Frau Lex überlegten, ob Qualität nicht über die Herkunft der Materialien oder eine Policy gewährleistet werden kann. An dieser Stelle muss ich Frau Fahrenkrog zustimmen:

Mich bringt das ins Nachdenken, weil der Sinn von Open in all seinen Ausprägungen doch auch ist, dass kollaborativ und partizipativ über Anmerkungen, Ergänzungen, Reviews, Überarbeitungen u.ä der Materialien eine Qualitätssicherung durch die jeweiligen Peers erfolgt.

Aber diese Form der Qualitätssicherung hat sich noch nicht durchgesetzt und wird auch v.a. von FachdidakterInnen (z.B. am IPN) als kritisch gesehen. In dem Rahmen der Qualitätssicherung wurde auch über rechtliche Sicherheit bei der Verwendung von OER diskutiert. Anscheinend sind trotz der CC-Lizenzen (und anderer Lizenzen für offene/freie Materialien) die Bedenken, OER einfach zu verwenden sehr groß. Das betrifft vor allem Fragen nach den Urheberrechten/ dem Copyright und den Möglichkeiten des Remixing.

2. Standards

In dem Bereich der Standards gehören neben den Metadaten und wie diese gematcht oder ausgetauscht werden können, auch entsprechende Infrastrukturen, die den Austausch der OER-Materielien und der dazugehörigen Metadaten problemlos ermöglichen. Hier scheint es noch Ausbaupotential zu geben. Viele Angebote wie das ZUM Wiki oder das Projekt Mapping OER sind noch nicht hinreichend bekannt. Von kleinen Start-Ups wie Tutory ganz zu schweigen. Hier wären eine stärkere Vernetzung und Austausch-/Nachnutzungsmöglichkeiten verschiedener Materialien verschiedener Plattformen wünschenswert. Es gibt auch bereits Lösungen, die dieses Problem angehen: ELIXIER und EduTags. Für die Metadaten (und die Materialien) braucht es passende Repositorien und Austausch- und Verarbeitungstools.

Neben den technischen Standards spielen natürlich auch Standards des Datenschutzes eine große Rolle. Mit individuellen Lösungen bzw. Individualisierung der Plattformen/Materialien tritt man der Diskussion bei, die schon im Bereich des Web 2.0 geführt wird – schlagen dann künftig Algorithmen vor, welche OER am besten zu mir und meinem Unterricht/meinem Lernverhalten passen? Möchten wir das? Wenn es Business-Modelle zu OER gibt, was passiert mit den aggregierten Daten? Wie kann Anonymität gewährleistet werden? Diese und ähnliche Fragen müssen im Kontext von OER unbedingt mitdiskutiert werden.

3. Business vs./und AnwenderInnen

Natürlich wurden im Worldcafé nicht nur die Möglichkeiten von OER für Lehrende und Lernende diskutiert, sondern vor allem auch die Möglichkeiten für Bildungsmedienanbeiter (auch wenn diese leider nur sehr sparsam vertreten waren). Also Verwertungsmöglichkeiten für OER: Monetarisierung, Verschliessen vs. Verschenken, Wie kann man rechtlich sicher mit OER Geld verdienen? Welche Geschäftsmodelle gibt es schon oder sind denkbar? Hier könnte man sich an der freie Software/Open-Source-Software-Bewegung orientieren, die es geschafft hat, tragbare Verwertungsmodelle zu entwicklen. Die AnwenderInnen wiederum wollen natürlich alle Formen der Interaktion, Inklusion oder Kontextualisierung, die mit OER möglich sind, offen und ungehindert austesten können. Dazu gehören z.B. Content Mining, User generated Content, der Einsatz in sogenannten Flipped Classrooms und vieles mehr. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage in die Runde geworfen, wer denn Schulungen im Bereich OER anbietet, für alle Seiten: Lehrende, Lernende, Bildungsmedienanbieter, VerwerterInnen und AnwenderInnen. Auch an dieser Stelle scheint es noch Informationsbedarf zu geben.

Unser Workshop hat viel Sapß gemacht, die TeilnehmerInnen waren durchweg interessiert und motiviert, auch wenn 2 Stunden zu kurz sind, um die genannten OER-Aspekte bis in die Tiefe durchzudiskutieren. Abschließend lässt sich sagen, dass OER zwar sehr wohl als Hype bezeichnet werden kann, aber im Zuge von Digitalisierung, auch was Schul-und Lernmaterialien betrifft (siehe z.B. scook von Cornelsen oder meinUnterricht.de) als eine Möglichkeit für die Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen beachtet werden muss. Wichtig ist es, die Bildungsmedienanbeiter wie Schulbuchverlage, Schulfilmhersteller etc. und natürlich die Menschen vor Ort, also LehrerInnen und SchülerInnen in den Prozess mit einzubeziehen. Vielleicht wäre auch bei OER das Konzept der Ambassadors/MultiplikatorInnen, wie es bei Open Access mittlerweile etabliert ist, angebracht.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei meinen beiden fleißigen Mitorganisatoren Christoph Schindler (DIPF) und Peter Kraker (Know Center), ohne die dieser Workshop nie zustande gekommen wäre und bei unserem Kooperationspartner Didacta Verband!

©Text und Bilder von: Alexandra Jobmann
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