Archiv der Kategorie: OER

VG Wort und das Bereitstellen von Material auf OLAT o.ä.

Dank Lernplattformen wie OpenOLAT & Co haben Studierende bequem Zugriff auf ihre Seminarunterlagen. Urheberrechtsfragen stellten sich dabei bislang nicht, denn die Universitäten zahlen jährlich einen Pauschalbetrag an die Verwertungsgesellschaft (VG) Wort, die Interessen der Verlage vertritt. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat die VG Wort nun jedoch einen Rahmenvertrag mit der Kultusministerkonferenz (KMK) abgeschlossen, der ab Januar 2017 Einzelabrechnungen für digitale Semesterapparate vorsieht. Der Ärger an den Universitäten ist groß, sowohl die Landesrektorenkonferenz als auch das Kieler Universitätspräsidium und der AStA der CAU fordern Neuverhandlungen mit der VG Wort.

Antonia Stahl von der CAU hat die Problematik kurz, aber umfassend hier zusammengefasst.

Was ändert sich also für Lehrende in Schleswig-Holstein?
Der neue Rahmenvertrag sieht vor, dass die Universitäten für jede Nutzung pro Kurs und Semester einen mit der Formel

„Seiten x TN [Teilnehmer]-Zahl x 0,8 Cent“

errechneten Betrag an die VG Wort bezahlen. Wenn allerdings bereits eine digitalisierte Fassung in der Bibliothek vorhanden ist, muss diese verlinkt werden und die Einzelmeldung entfällt.
Eigene Digitalisate sind nur für den Fall erlaubt, dass das Werk nicht digital verfügbar ist, also etwa nicht als E-Book in der Bibliothek vorhanden ist. Vorlesungsfolien und Skripte sind von der Abrechnung nicht betroffen, da sie als „eigene Inhalte“ gelten (siehe diese Übersicht über meldepflichtige Werke, pdf). Zur Prüfung der Vollständigkeit und Korrektheit der Meldungen soll die VG Wort Zugriff auf die Lernplattformen bekommen.
Welche Folgen eine Einzelabrechnung hätte, zeigt ein Pilotversuch der Universität Osnabrück im Wintersemester 2014/15. Waren ein Jahr zuvor noch etwa 4.500 Texte auf der Lernplattform verfügbar, sank die Zahl beim Pilotversuch auf ca. 1.000. Viele Dozierende verzichteten auf die Bereitstellung, weil sie Schwierigkeiten bei der Einordnung der Werke hatten [Quellen: Simon Rebiger: Unirahmenvertrag schränkt digitales Lernen ein. 02.11.2016 ; Leonhard Dobusch: Deutsche Universitäten 2017 im digitalen Ausnahmezustand: Kämpfen oder Kapitulieren? 06.12.2016

Da die CAU dem Rahmenvertrag mit der VG Wort nicht zustimmt, führt das für die Lehrenden zur folgenden Situation:

digitaler_semesterapparat_regelung2017

Damit bleibt den Lehrenden noch folgendes übrig: Sie können einen Link zu eBooks oder Zeitschriften in die Unterlagen tun bzw. Literaturlisten bereitstellen und die Studierenden müssen sich die Dokumente aus der Unibibliothek oder vom IPN (oder einer anderen Bibliothek) holen. Sie können sogenannte Open Educational Resources benutzen, also online frei verfügbare Materialien, die unter einer Creative Commons Lizenz stehen, eigene Materialien verwenden (eigene Texte, eigene Arbeitsblätter etc.) oder gemeinfreie Werke.
Das ist im Endeffekt immer  noch eine ganze Menge Material, bedeutet natürlich aber für alle Lehrenden erst mal einen Mehraufwand, weil diese ihre Semesterapparate/OLAT-Kurse neu befüllen müssen.

Nachtrag 1: In der am 09.12.2016 veröffentlichten Pressemitteilung der Hochschulrektorenkonferenz wird auf eine adhoc eingerichtete Arbeitsgruppe hingewiesen, die einerseits bis Ende 2016 einen Lösungsvorschlag vorlegen wird und andererseits bis zum 30. September 2017 eine praktikable Lösung an den deutschen Hochschulen implementieren soll [Pressemitteilung HRK].

Nachtrag 2: Es ist zu einer vorläufigen Einigung zwischen der VG Wort, der Hochschulrektorenkonferenz und Kultusministerkonferenz gekommen. Es wird bis zum 01.10.2017 ein Moratorium geben, dessen Eckpunkte noch vor Weihnachten bekanntgegeben werden sollen. Während des Moratoriums wird ein neuer Vorschlag zur Abrechnung der Vergütungspflicht gem. § 52a UrhG von der Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der VG Wort, KMK und HRK, erarbeitet. Es ist daher nicht mehr notwendig, veröffentliche Sprachwerke (Auszüge aus Texten und Büchern) aus OpenOLAT zu löschen.

Workshop-Fazit: Offene und datengetriebene Innovationen für Bildungsmedienanbieter

In den vergangenen Jahren wurden zunehmend Veränderungen an Schulen und Hochschulen durch digitale Bildungsmaterialien thematisiert. Die Potenziale von Offenheit und großen Datenmengen für Innovationen der Bildungsmedienanbieter wurden dabei bisher nur beschränkt wahrgenommen. Eben diese Potenziale wurden im vom IPN – Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik, dem DIPF – Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung und dem Know Center Graz organisierten Workshop auf der Didacta 2016 in Köln thematisiert. Der einführende Vortrag von Frau Ass.-Prof. Dr. Elisabeth Lex (Know Center) trug daher den Titel „Data driven Business: Der Nutzen von (offenen) Daten für den Bildungsbereich“ (Folien werden nachgereicht) und widmete sich u.a. folgenden Fragestellungen:

  • Welchen Nutzen haben Daten für Content Provider haben und wie können diese von der Idee eines Data driven Business profitieren?
  • Welche datenzentrischen Services benötigen Lernende und Lehrende?
  • Welche Daten entstehen beim Lernen und wie können diese wieder in den Prozess einfliessen?

Frau Lex führte zuerst in den Bereich Big Data ein, stellte den Flea Market for Open Data aus dem Projekt CODE vor und schlug dann den Bogen über die OER Commons hin zur Wertschöpfungskette im Bereich Data driven Business und welchen Benefit diese Entwicklung für Lehrende, Lernende und Bildungsmedienanbeiter haben kann.

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Der zweite Vortrag von Ingo Blees (DIPF/Deutscher Bildungsserver) stellte die Machbarkeitsstudie des Deutschen Bildungsservers zu OER-Infrastrukturen vor und trug daher passend den Titel: „Open Educational Resources – Infrastrukturen: Potentiale, Herausforderungen, Perspektiven“ (Folien). Der Vortrag beschäftigte sich vor allem mit folgenden Punkten:

  • Begriff und Potenziale von OER
  • Die Machbarkeitsstudie zu OER-Infrastrukturen: Auftrag, Methodisches Vorgehen, Empfehlungen
  • Perspektive Metadaten-Austausch-Service MDAS

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Im Anschluss an die beiden Vorträge gab es durch ein Worldcafé die Möglichkeit, die aufgestellten Thesen direkt mit den Vortragenden zu diskutieren. An drei Tischen (einer zum Vortrag von und mit Frau Lex, einer zum Vortrag von und mit Herrn Blees und ein freier Diskussions-Tisch mit mir) wurden teilweise sehr hitzig einzelne Aspekte diskutiert und auf Probleme, Grenzen aber auch Möglichkeiten hingewiesen. Die Ergebnisse finden sich in der Bildergalerie und ich möchte an dieser Stelle nur auf einzelne Themen eingehen, die an allen drei Tischen angesprochen wurden.

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1. Qualität

Die Frage nach der Qualität und der Qualitätsgarantie der OER-Materialien ist eine zentrale und wurde anscheinend auch auf dem OERCamp in Berlin diskutiert (siehe Bericht). Dank des Internets besteht die Möglichkeit auch mehrere Qualitätsebenen/-kriterien zu verwenden und diese dem Nutzer anzubieten, der dann je nach Anwendungszusammenhang auswählen kann: Redaktionelle Prüfung, Community-Bewertung (bspw. durch Sterne) oder auch Nutzungsdaten (Häufigkeit des Aufrufs/Downloads etc.). Damit kann die Qualitätsdiskussion zu OER etwas strukturiert werden bzw. die Möglichkeiten der Mehrschichtigkeit der Digitalität ausgeschöpft werden. An meinem Tisch kam die Idee einer Zertifizierungsstelle für OER auf und eine Art Qualitätssigel für „verwendbare“ Materialien. Die TeilnehmerInnen des OERCamp empfanden anscheinend Bibliotheken als dafür geeignet. Die DiskussionspartnerInnen bei Frau Lex überlegten, ob Qualität nicht über die Herkunft der Materialien oder eine Policy gewährleistet werden kann. An dieser Stelle muss ich Frau Fahrenkrog zustimmen:

Mich bringt das ins Nachdenken, weil der Sinn von Open in all seinen Ausprägungen doch auch ist, dass kollaborativ und partizipativ über Anmerkungen, Ergänzungen, Reviews, Überarbeitungen u.ä der Materialien eine Qualitätssicherung durch die jeweiligen Peers erfolgt.

Aber diese Form der Qualitätssicherung hat sich noch nicht durchgesetzt und wird auch v.a. von FachdidakterInnen (z.B. am IPN) als kritisch gesehen. In dem Rahmen der Qualitätssicherung wurde auch über rechtliche Sicherheit bei der Verwendung von OER diskutiert. Anscheinend sind trotz der CC-Lizenzen (und anderer Lizenzen für offene/freie Materialien) die Bedenken, OER einfach zu verwenden sehr groß. Das betrifft vor allem Fragen nach den Urheberrechten/ dem Copyright und den Möglichkeiten des Remixing.

2. Standards

In dem Bereich der Standards gehören neben den Metadaten und wie diese gematcht oder ausgetauscht werden können, auch entsprechende Infrastrukturen, die den Austausch der OER-Materielien und der dazugehörigen Metadaten problemlos ermöglichen. Hier scheint es noch Ausbaupotential zu geben. Viele Angebote wie das ZUM Wiki oder das Projekt Mapping OER sind noch nicht hinreichend bekannt. Von kleinen Start-Ups wie Tutory ganz zu schweigen. Hier wären eine stärkere Vernetzung und Austausch-/Nachnutzungsmöglichkeiten verschiedener Materialien verschiedener Plattformen wünschenswert. Es gibt auch bereits Lösungen, die dieses Problem angehen: ELIXIER und EduTags. Für die Metadaten (und die Materialien) braucht es passende Repositorien und Austausch- und Verarbeitungstools.

Neben den technischen Standards spielen natürlich auch Standards des Datenschutzes eine große Rolle. Mit individuellen Lösungen bzw. Individualisierung der Plattformen/Materialien tritt man der Diskussion bei, die schon im Bereich des Web 2.0 geführt wird – schlagen dann künftig Algorithmen vor, welche OER am besten zu mir und meinem Unterricht/meinem Lernverhalten passen? Möchten wir das? Wenn es Business-Modelle zu OER gibt, was passiert mit den aggregierten Daten? Wie kann Anonymität gewährleistet werden? Diese und ähnliche Fragen müssen im Kontext von OER unbedingt mitdiskutiert werden.

3. Business vs./und AnwenderInnen

Natürlich wurden im Worldcafé nicht nur die Möglichkeiten von OER für Lehrende und Lernende diskutiert, sondern vor allem auch die Möglichkeiten für Bildungsmedienanbeiter (auch wenn diese leider nur sehr sparsam vertreten waren). Also Verwertungsmöglichkeiten für OER: Monetarisierung, Verschliessen vs. Verschenken, Wie kann man rechtlich sicher mit OER Geld verdienen? Welche Geschäftsmodelle gibt es schon oder sind denkbar? Hier könnte man sich an der freie Software/Open-Source-Software-Bewegung orientieren, die es geschafft hat, tragbare Verwertungsmodelle zu entwicklen. Die AnwenderInnen wiederum wollen natürlich alle Formen der Interaktion, Inklusion oder Kontextualisierung, die mit OER möglich sind, offen und ungehindert austesten können. Dazu gehören z.B. Content Mining, User generated Content, der Einsatz in sogenannten Flipped Classrooms und vieles mehr. In diesem Zusammenhang wurde auch die Frage in die Runde geworfen, wer denn Schulungen im Bereich OER anbietet, für alle Seiten: Lehrende, Lernende, Bildungsmedienanbieter, VerwerterInnen und AnwenderInnen. Auch an dieser Stelle scheint es noch Informationsbedarf zu geben.

Unser Workshop hat viel Sapß gemacht, die TeilnehmerInnen waren durchweg interessiert und motiviert, auch wenn 2 Stunden zu kurz sind, um die genannten OER-Aspekte bis in die Tiefe durchzudiskutieren. Abschließend lässt sich sagen, dass OER zwar sehr wohl als Hype bezeichnet werden kann, aber im Zuge von Digitalisierung, auch was Schul-und Lernmaterialien betrifft (siehe z.B. scook von Cornelsen oder meinUnterricht.de) als eine Möglichkeit für die Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen beachtet werden muss. Wichtig ist es, die Bildungsmedienanbeiter wie Schulbuchverlage, Schulfilmhersteller etc. und natürlich die Menschen vor Ort, also LehrerInnen und SchülerInnen in den Prozess mit einzubeziehen. Vielleicht wäre auch bei OER das Konzept der Ambassadors/MultiplikatorInnen, wie es bei Open Access mittlerweile etabliert ist, angebracht.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei meinen beiden fleißigen Mitorganisatoren Christoph Schindler (DIPF) und Peter Kraker (Know Center), ohne die dieser Workshop nie zustande gekommen wäre und bei unserem Kooperationspartner Didacta Verband!

©Text und Bilder von: Alexandra Jobmann
Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Create your own Jeopardy – spielend im Unterricht lernen

Jeopardy! war/ist eine Fernseh-Quizshow, bei der den TeilnehmerInnen Antworten aus verschiedenen Kategorien präsentiert werden und man schneller als der Gegner die dazu passende Frage formulieren muss. Die Älteren unter euch erinnern sich vielleicht noch daran 🙂

Das Jeopardy-Prinzip hat Jahrzente nach seiner Erfindung durch das Internet Einzug in die interaktive Gestaltung von Lernumgebungen (Workshops, Unterricht, Seminare etc.) gehalten. Die Seite JeopardyLab bietet z.B. vorhandene Jeopardys (in vielen verschiedenen Sprachen und Themen) und die Möglichkeit, selbst eins zu erstellen. So könnte in der Schule das deutschsprachige Jeopardy für den Chemie-Unterricht verwendet werden, das auch dann viel Spaß macht, wenn man die Schule schon lange hinter sich gelassen hat (von mir für euch getestet 🙂 )

Probiert doch mal das aus statt schnöde Leistungstests zu schreiben! ^^

OERcamp 2015 in Berlin! – Das #OERcamp2015 zieht unter das Dach der Educamps!

Da das MOOCcamp auch unter dem Dach der Educamps stattfindet, wird es nicht 3 hintereinander oder parallel stattfindende Barcamps geben, sondern ein großes, thematisch auf die 3 Bereiche abgestimmtes Barcamp.

Das heißt eine Anmeldung, ein Teilnehmerstatus und eine gemeinsame Sessionplanung. Die einzelnen Sessions werden mit dem passenden Hashtag (z.B. #OERcamp) dem jeweiligen Oberthema zugeordnet.  Zusäzlich zu den Barcamp-Sessions wird es einige, teilweise international besetzte Workshops zum Thema Open Educational Resources (OER) geben. So kann man seinem thematischen Schwerpunkt folgen und es findet gleichzeitig eine Vernetzung der Aktiven aus allen drei Bereichen statt.

Wann? 04.-06. September 2015

Wo? Berlin

Weitere Informationen? hier